Dass Stress etwas mit verfügbarer Zeit zu tun hat, erleben viele Menschen in ihrem Alltag. Je weniger Zeit wir für Aufgaben haben, desto höher ist der Druck. Aber wann ist viel zu viel? Maren Peters Dissertation zeigt: Zeitdruck ist nicht grundsätzlich problematisch.
Ein entscheidender Faktor ist, wie er sich über die Zeit verhält. So weisen Beschäftigte, die im Laufe einer Woche dauerhaft geringen Zeitdruck erleben, ein ähnliches Wohlbefinden auf wie Personen, die zwischenzeitlich stärkeren Zeitdruck erleben – vorausgesetzt, dieser nimmt wieder ab. „Dieses Ergebnis war überraschend für uns“, so Maren Peter. „Wir hatten angenommen, dass die Personen mit dem geringsten Zeitdruck das höchste Wohlbefinden aufweisen.“ Damit rücken die Variabilität und die zeitliche Dynamik von Arbeitsstress stärker in den Fokus als seine bloße Intensität.
In einer weiteren Studie untersuchte Maren Peter dann, wie sich emotionale Erschöpfung und Zeitdruck über mehrere Wochen entwickeln und gegenseitig beeinflussen. Dabei zeigte sich: Beschäftigte erleben auch nach belastungsreichen Wochen eine Verbesserung in ihrer Erschöpfung und ihrem Zeitdruckempfinden in der darauffolgenden Woche. Wie stark sich Zeitdruck und emotionale Erschöpfung von einer Woche zur nächsten verändern, hängt dabei auch davon ab, wie hoch sie in der vorherigen Woche waren. Belastungsreiche Wochen können damit noch in die folgende Woche hineinwirken.
Promotion zwischen Pandemie und Elternzeit
Ihre Dissertation hat Maren Peter während der Covid-19-Pandemie begonnen. „Das war eine Herausforderung, hatte aber nicht nur Nachteile“, erzählt Peter. Finanziert wurde die Dissertation über ihre Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich für Organisations-, Wirtschafts- und Sozialpsychologie bei Prof. Tim Vahle-Hinz – betreut wurde sie zusätzlich von Prof. Thomas Rigotti von der Universität Mainz, wo Maren Peter die Dissertation auch einreichte. „Der Digitalisierungsschub in der Pandemie hat die Abstimmung deutlich erleichtert“, so Peter.
Im Rahmen ihrer Arbeit hat sie zwei wissenschaftliche Artikel veröffentlicht und einen weiteren eingereicht. Die Dissertation selbst bestand aus einer monographischen Einbettung der Ergebnisse und war damit eine Mischung aus kumulativer und monographischer Promotion. „Das ist heutzutage in vielen Fachbereichen üblich“, so Peter. „Eine rein kumulative Arbeit ist häufig sehr langwierig, weil die Review-Prozesse der Fachzeitschriften oft viel Zeit brauchen. Eine reine Monographie hingegen ist nicht mehr so stark verbreitet wie früher, weil wissenschaftliches Arbeiten inzwischen so stark über Peer-Review-Verfahren definiert ist, also über die Kommentierung, Kritik oder Bestätigung der eigenen theoretischen Überlegungen, Methoden und Ergebnisse durch andere Wissenschaftler*innen.“
Ein weiterer prägender Abschnitt während der Promotion war die Geburt ihres Sohnes. Die Erfahrung, Arbeitsanforderungen und Familienleben auszubalancieren, verlieh ihrem Forschungsthema eine zusätzliche persönliche Dimension – insbesondere mit Blick auf Zeitdruck, Wohlbefinden und nachhaltiges Arbeiten. „Gerade durch die Zeit mit meinem Sohn ist mir noch einmal bewusst geworden, wie wichtig es ist, mit der eigenen Zeit bewusst umzugehen und Phasen hoher Anforderungen nicht zum Dauerzustand werden zu lassen. . Diese Erfahrung hat meine Forschung auf eine ganz persönliche Weise begleitet. Man kann nicht jede stressige Phase vermeiden. Aber man kann Bedingungen schaffen, unter denen hohe Anforderungen zeitlich begrenzt bleiben und sich Belastung wieder reduzieren kann – und genau darin liegt ein wichtiger Schlüssel für gesundes Arbeiten.“
Dr. Maren Peter
Fachbereich Organisations-, Wirtschaft- und Sozialpsychologie (Prof. Vahle-Hinz)
Am Köllnischen Park 1 Raum 3.08



