19.05.2026
Online

Mehr als zwei? Offene Beziehungen und Polyamorie verstehen und wertschätzend begleiten

Datum: 19.05.2026

Zeit: 17:00 - 18:00 Uhr

Sprecher: Zu den Sprechern

Monogamie gilt in Psychologie und Psychotherapie oft noch als selbstverständlicher Standard – doch gelebte Beziehungsrealitäten sind längst vielfältiger. Anlässlich des Deutschen Diversity-Tags lädt die PHB zu einem öffentlichen Vortrag von Ulrike Kiewitt, in dem sie sogenannte Mononormativität hinterfragt und ethisch nicht-monogame Beziehungsformen wie Polyamorie oder offene Beziehungen in den Blick nimmt. Neben einem Überblick über aktuelle Forschung geht es um gesellschaftliche Vorurteile, mögliche Stigmatisierungen im Gesundheitssystem und die Frage, wie eine diversitätssensible therapeutische Haltung gelingen kann. 

Wenn wir die Bezeichnung „feste Beziehung“ hören, gehen wir meist unhinterfragt davon aus, dass es sich hierbei um eine monogame Zweierbeziehung handelt. Auch in der klinischen Psychologie, Forschung und Psychotherapie wird die Monogamie oft noch als Goldstandard verankert sowie als positive Ressource wahrgenommen. Die Ethische Nicht-Monogamie (ENM), zu der unter anderem Polyamorie oder Offene Beziehungen gehören, wird in der Theorie und Forschung häufig vernachlässigt und in der Praxis nicht selten pathologisiert oder als Ausdruck von Bindungsstörungen missverstanden.

Doch längst ist die Art und Weise, wie wir lieben und intime Beziehungen gestalten, deutlich vielfältiger als angenommen. Es ist an der Zeit, die „Mononormativität“ unserer professionellen Haltung kritisch zu hinterfragen. Ziel der Veranstaltung ist es, das Thema Beziehungsvielfalt sichtbar und besprechbar zu machen.

Im Fokus stehen dabei folgende Fragen:

  • Was verbirgt sich hinter Begriffen wie Polyamorie und ethischer Nicht-Monogamie?
  • Welchen Vorurteilen und Diskriminierungen begegnen Menschen in alternativen Beziehungsformen im Alltag und insbesondere im Gesundheitssystem?
  • Wie können wir als Psycholog*innen und Therapeut*innen eine wertschätzende, vorurteilsfreie Haltung entwickeln, ohne in stereotype Denkmuster zu verfallen?

Der Vortrag bietet einen kurzen Einblick in die wissenschaftliche Forschungslage und lädt zur Reflexion der eigenen, häufig unbewussten, Annahmen über „gesunde“ Beziehungsmodelle ein. Es geht darum, den Horizont für die Realität vieler Klient*innen zu erweitern und von da aus Werkzeuge für eine diversitätssensible Begleitung zu entwickeln.

Wir freuen uns auf einen offenen Austausch und Impulse für eine inklusive psychologische Profession.

  • Ulrike Kiewitt

    Psychologin sowie Psychotherapeutin in Ausbildung in Systemischer Therapie

    Ulrike Kiewitt ist Psychologin, Systemische Coach und Trainerin für die Inhalte der Positiven Psychologie. Zudem ist sie Systemische Psychotherapeutin in Ausbildung an der PHB. Ihr besonderes Interesse gilt psychologisch marginalisierten Themen und wie diese strukturell, gemeinsam mit internalen Vorannahmen, auf individuelle Prozesse (wie eine Psychotherapie) wirken können. Für die Deutsche Psychologen Akademie leitet sie regelmäßig Seminare zum Thema Positive Sexualität, Polyamorie oder Pornografie. Sie lebt selbst seit vielen Jahren in offener Beziehung.

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